1. Republik (Weimarer Verfassung) 1919

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Philipp Scheidemann nach Ausruf der Republik bei einer weiteren Rede im Fernsehen der Reichskanzlei (November 1918)

Vorspann: Ralf Jüngermann |

Im November 1918 endet der 1. Weltkrieg mit der Niederlage Deutschlands.

Es bricht die Revolution aus mit dem Matrosenaufstand in Kiel, der schnell alle deutschen Hafenstädte erfasst. In vielen Städten bilden sich Arbeiter- und Soldatenräte. Am 9. November 1918 verkündet Reichskanzler Prinz Max von Baden die Abdankung Kaiser Wilhelms II.

Der Reichskanzler bildet am selben Tag eine neue Regierung, in der Philipp Scheidemann Staatssekretär ist. Scheidemann ruft vom Balkon des Reichstages am selben Tag, dem 9. November 1918, die  Republik aus. Am 19. Januar 1919 wird eine Nationalversammlung gewählt.

Die Nationalversammlung verabschiedet vor 90 Jahren, am 31. Juli 1919, die Weimarer Verfassung. Die Reichsfarben sind Schwarz-rot-gold.

atillmannHören wir dazu die Landtagsabgeordnete Angela Tillmann mit den Worten der Reichsabgeorneten Toni Pfülf, Mitglied der Nationalversammlung.

„Wenn ich in diesem Jahr, dem Jahr 1919,  zu euch spreche, dann als mündiger Bürger des deutschen Reiches und als Frau. Als Bürger, da mit der „Verfassung des  Deutschen Reichs“ endlich das aristokratische  Kapitel deutscher Geschichte beendet wird. Es sind nicht mehr die Herren hoch zu Ross, es  ist das Volk, das mit seiner Stimme entscheidet.

Zwar im Geiste von Achtundvierzig, aber konsequent, macht diese Verfassung deutlich: Herrschaft geht vom Volke aus!

Erstens; indem das Volk diejenigen bestimmt, die in seinem Sinne regieren. Zweitens; weil das Volk auch direkt seine Stimme erheben kann.

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Antonie „Toni“ Pfülf

Wahre Demokratie gibt es nur dann, wenn auch das Volk direkt, nicht nur indirekt, seinen Willen kundtun und entscheiden kann. Das Begehren des Volks oder auch seine Entscheidung sind dabei maßgebend für die Volksvertreter.
Was in der Geschichte unserer Nation allzu häufig schlimme Konsequenzen hatte, dass sich Staatsgewalten auf eine Person vereinigen, das soll nicht mehr sein dürfen.
Dass Recht spricht, wer es zuvor setzte, dass Zwang anwendet, wer die Grenzen dieses Mittels zuvor zog, dass Recht bricht, wer sich amnestieren kann, das darf in einem freien Reich nicht sein.
Aber ich sagte, wenn ich heute zu euch spreche, dann auch als Frau. Wir gebären Kinder, wir ziehen sie auf und lehren sie. Doch durften wir niemals mitentscheiden, was ihre Zukunft bringen soll. Auch über unsere Zukunft entschieden immer Andere, nicht wir.
Ab dem Moment in dem die Verfassung der Weimarer Republik in Kraft tritt, ist es vorbei mit dieser Ungleichheit.
Die, die zuvor stumm waren, erhalten eine Stimme, die Stimme des Wahlrechts. Eine Stimme zu erhalten heißt, mündig werden.
Von dieser Stimme, will ich Gebrauch machen. Mit dieser Stimme will ich verändern und gestalten. Mit dieser Stimme will ich aufstehen, die Feinde der demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung bekämpfen.
Mit dieser Stimme will ich bekämpfen die Anhänger von Anarchie und Willkür.
Mit dieser Stimme will ich dem Wohle aller dienen; Dem deutschen Volke!“


Zum Liedvortrag:

> Wann wir schreiten seit´ an seit´ >

Mehr Informationen:

Deutschen Hisorischen Museum

https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/etablierung/wahl33/

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