Wartburgfest 1817

 

wartburg-studentenzug-1817
Radierung von unbekanntem Künstler Mitte des 19. Jahrhunderts

Vorspann: Ferdinand Hoeren |

„Unser Streifzug durch die demokratische Geschichte Deutschlands beginnt vor 192 Jahren mit dem Wartburgfest.
Am Anfang des Freiheitskrieges gegen Napoleon 1813-1815 steht die Völkerschlacht bei Leipzig. An den Kämpfen nehmen viele Freiwillige teil; die meisten von ihnen sind Studenten oder Anhänger der Turnbewegung Jahn. Sie werden durch die Ergebnisse des Wiener Kongress von 1815 enttäuscht, weil die Verhältnisse – deutsche Kleinstaaterei und Fürstenrechte – wieder eingeführt werden. Sie gründen Burschenschaften an den Universitäten, die sich rasch ausbreiten. Am 18. Oktober 1817 treffen sich 500 Abgesandte von 12 deutschen Universitäten – mit insgesamt 8.500 Studenten – auf der Wartburg, um ihre Forderungen zu proklamieren.
Sie wählen die Wartburg, weil hier Luther die Bibel ins Deutsche übersetzt hat und vor 300 Jahren 1517 das Reformationsjahr war. Sie tragen die Farben Rot und Schwarz in goldener Einfassung, die Uniformfarben des Lützowschen Freikorps aus der Völkerschlacht.

Bild: Norbert PostHören wir dazu den Landtagsabgeordneten Norbert Post mit den Worten eines Zeitzeugen: Den Studenten und Dichter Wilhelm Müller.

„Was ist des Deutschen Vaterlande?
Einig soll es sein, doch ist es nicht.
Frei soll es sein, doch ist es nicht.
Sicher soll es sein, doch ist es nicht.
Gleich soll es sein, doch ist es nicht.

Wofür haben wir gekämpft?
Wofür haben wir unser Blut gegeben gegen den Franzos?
Wofür scharten wir uns hinter Rot-schwarz-gold?

Zeichnung: Dichter Wilhelm Müller
Dichter Wilhelm Müller

 

Stark wollen wir sein in dieser Stunde um zu überwinden den Geist der Reaktion!

Die Preußen wollen Preußen bleiben.
Die Österreicher wollen Österreicher bleiben.
Die Bayern wollen Bayern bleiben.
Doch nur der Adel will die Einheit nicht.
Er bangt um seine Pfründe,
hat Angst vor der Stimme des Volkes,
hat Angst vor der Einheit unserer Wirtschaft.

Was könnten wir nicht alles schaffen,
wären wir nur einig und frei.
Was könnten wir nicht alles ändern,
wären wir nur einig und frei.

Studenten aus allen deutschen Landen haben sich
gefunden um zu formulieren, was in dieser Stunde Not tut.
Aus 500 Mündern hört man die starken Stimmen,
die da fordern:

Freiheit,
Einheit,
Sicherheit,
freie Rede
und
Gleichheit.

500 Stimmen, die sich aus freiem Willen gefunden haben, hier in dieser Stadt, in der schon Luther tätig war und den Deutschen ihre Sprache gab.
Wie Luther einst, so wollen auch wir von hier aus geben den Impuls, zu gründen eine Nation. Eine Nation, die sich abwendet von äußeren Wirren und Einflüssen. Stark wollen wir sein in dieser Stunde, um zu überwinden den Geist der Kleinstaaterei!“


Zum Liedvortrag:

> Die Gedanken sind frei >

Mehr Informationen:

Deutschen Hisorischen Museum: https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/etablierung/wahl33/

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